Resilienz – was ist das eigentlich?

Holger Montag
Holger Montag

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Veröffentlicht am: 25.11.2025


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Eisbär schaut über eine Eisscholle
Eisbär schaut über eine Eisscholle

Mini-Reihe zu Resilienz im SIEDA Blog

Das Thema Resilienz sollte insbesondere Personalverantwortlichen am Herzen liegen, Stichwort: Ausfallmanagement. Lange hat man sich auf eine ausgewogene Work-Life-Balance der Mitarbeiter konzentriert, was sehr wichtig, aber bedeutungslos ist, wenn diese sich im (Arbeits-)Alltag überlastet und mit Problemen allein gelassen fühlen. Hohe Krankenstände aber gehen nicht selten auf eine niedrige Resilienz der Mitarbeiter zurück. Zeit, diese zu stärken: Unsere Blog-Reihe zur Resilienz verrät, wie das geht.

Steter Stress und schlechte Stimmung?

Was haben Stress und die derzeitige Erkältungszeit gemeinsam? Richtig: Man benötigt stabile Abwehrkräfte und ein „dickes Fell“. Denn gerade in dieser Jahreszeit mehren sich die Krankmeldungen von Mitarbeitern und rotiert das Ausfallmanagement. Fühlen sich die einspringenden Kollegen oft am Limit und sinkt die Stimmung im Unternehmen - parallel zu den Außentemperaturen.

Ganzjährige Stressoren – etwa private Krisen oder das dauerhafte Überschreiten der persönlichen Belastungsgrenzen – sorgen zudem bei vielen Mitarbeitern für Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit. Was wiederum oft zu stressbedingten Erkrankungen führt. 

An einer geringen Resilienz sind aber – auf die Beschäftigung bezogen – meist nicht nur das reine Arbeitspensum, sondern auch Faktoren wie mangelnde Wertschätzung, fehlende Verbundenheit mit dem Arbeitgeber und das Gefühl schuld, Probleme alleine bewältigen zu müssen.

Eine geringe Resilienz geht oft auf das Gefühl zurück, mit Problemen alleingelassen zu werden.
Eine geringe Resilienz geht oft auf das Gefühl zurück, mit Problemen alleingelassen zu werden.

Eine geringe Resilienz geht oft auf mangelnde Wertschätzung durch Andere zurück.

Wie lautet die Definition von Resilienz?

Resilienz wird als Widerstandsfähigkeit eines Individuums charakterisiert, sich trotz ungünstiger Lebensumstände und kritischer Lebensereignisse erfolgreich zu entwickeln. Sie wird gemeinhin mit Vulnerabilität gleichgesetzt (erhöhte Empfindlichkeit, Verwundbarkeit oder Verletzbarkeit), wobei dieser Begriff in verschiedenen Kontexten verwendet wird.

Erkennen Sie die Warnsignale Ihres Körpers?

Bei Menschen mit niedriger Resilienz sind die Frühwarnsysteme gegen Überlastung oft ausgeschaltet.
Bei Menschen mit niedriger Resilienz sind die Frühwarnsysteme gegen Überlastung oft ausgeschaltet.

Hören Sie noch auf Ihre Warnsysteme?

Kennzeichnen diese Belastungen den Alltag, fühlt man sich im Team, der Abteilung, dem Unternehmen, zuweilen auch im Familien- oder Freundeskreis – und schlimmstenfalls im eigenen Leben – fehl am Platz. Es fällt schwer, der Zukunft aktiv, selbstbewusst und optimistisch entgegenzutreten. Ängste wachsen, das Wohlbefinden erreicht immer neue Tiefpunkte, man wird anfälliger für Erkrankungen, die eigene Produktivität sinkt.

Diese verminderte Leistungsfähigkeit ist ebenso typisch für eine geringe Resilienz wie die geistige und emotionale Distanz von der Umwelt oder dem eigenen Job – auch und gerade deshalb, weil betroffene Menschen Stress nicht (gut) verarbeiten und keine Hilfe erfahren. Manche haben längst ihre Frühwarnsysteme gegen Überlastung und Selbstausbeutung ausgeschaltet und verrichten stoisch ihre Arbeit. Schlimmstenfalls steuern sie auf einen Burnout zu und denken dabei: Ist jetzt auch schon egal.

Resilienz wird schon früh benötigt

Doch bilden solche extremen Überlastungen lediglich die Schlusskapitel einer langen Vorgeschichte, in der unsere Resilienz oft bereits im Kindesalter gefordert wird. Ob heftiger Streit der Eltern, Ärger mit dem besten Freund, eine strenge Lehrerin, eine hartnäckige Krankheit oder eine schlechte Note in Mathe: Das Leben steckt voller Stressoren, wegen derer man sich gelegentlich klein und schlecht fühlt, an sich selbst zweifelt, den Mut verlieren und das Gefühl entwickeln kann, sich niemandem anvertrauen zu können.

Klassenkameraden mit einer ähnlich schlechten Mathematiknote werden hingegen möglicherweise von Freunden und ihrer Familie aufgefangen und darin bestärkt, ein wertvoller Mensch und fleißiger Schüler zu sein. Statt in Selbstvorwürfen baden sie in Trost und Anteilnahme. Lernen aus gemachten Fehlern und sind besonders motiviert für die nächste Mathearbeit, statt deren Termin voller Angst entgegenzublicken.

Resiliente Menschen lernen aus Fehlern und gehen motiviert in den nächsten Versuch.
Resiliente Menschen lernen aus Fehlern und gehen motiviert in den nächsten Versuch.

 Wer Unterstützung und Trost erfährt, ist motivierter - nicht nur für die nächste Mathearbeit.

Nun läge die Vermutung nahe, dass schlechte und vor allem traumatische Kindheitserfahrungen das Selbstwertgefühl und die Widerstandsfähigkeit gegen Stressoren erheblich beeinträchtigen. Wer sich hingegen als Kind geborgen, aufgefangen und gestärkt fühlt, dem fiele es demnach später leichter, solche Stressoren einzuordnen und als temporäre Krise anzugehen. Sollte man meinen – doch ganz so einfach ist die Gruppierung nicht, wie die Resilienzforschung beweist.

Die Kauai-Studie

Über 40 Jahre lang begleitete die Entwicklungspsychologin Emmy Werner – selbst in ihrer Kindheit durch Krieg und Auswanderung von Deutschland in die USA belastet – auf der Hawaii-Insel Kauai beinahe 700 Kinder, die 1955 geboren wurden. Sie untersuchte dabei die Langzeitwirkungen von Risikofaktoren wie Armut oder familiäre Konflikte und identifizierte Faktoren, die Kindern trotz schwieriger Umstände eine positive Entwicklung ermöglichen – die sogenannten Resilienzfaktoren

Die Kauai-Studie gilt als Grundlage der modernen Resilienzforschung. Aus ihr erwuchsen viele Erkenntnisse zur Resilienz – wie etwa die, dass sie ein dynamischer Prozess ist, der von persönlichen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst wird. Auch wurde die Bedeutung von stabilen Beziehungen und sozialer Unterstützung hervorgehoben. Bis heute bietet die Kauai-Studie eine Grundlage für präventive und therapeutische Unterstützungsansätze.

Kühler Kopf trotz Krise

You never walk alone: Teamgefühl stärkt die Resilienz.
You never walk alone: Teamgefühl stärkt die Resilienz.

You never walk alone: Das Gefühl, mit Problemen nicht alleingelassen zu werden, stärkt die Resilienz.

Menschen mit einer besonders ausgeprägten Resilienz verfügen über jenes eingangs erwähnte, dicke Fell. Konflikte nehmen sie nicht so persönlich, Stress verarbeiten sie schneller als Andere. Man sollte Resilienz allerdings nicht mit Oberflächlichkeit verwechseln: Resiliente Menschen handeln nicht emotionslos, sie behalten allerdings das Wesentliche immer im Auge – und auch in Krisensituationen einen kühlen Kopf.

Außerdem sind sie tendenziell optimistisch, emotional stabil, achtsam und selbstbewusst. Studien zufolge unterhalten resiliente Menschen meist starke soziale Netzwerke, fallen während persönlicher Krisen nicht in „schwarze Löcher“, ziehen gesunde Grenzen – und ihre innere Stärke aus dem Teamgefühl heraus, Problemstellungen gemeinsam zu begegnen. Darüber hinaus, zeichnen sie sich oft durch besondere Lernbereitschaft und Lösungsorientiertheit aus.

Konsequente Entscheidungen

Nach einem Streit mit einer wichtigen Person halten resiliente Menschen keine Funkstille, sondern suchen vielmehr das Gespräch, um die gestörte Beziehung zu reparieren. Sie beenden diese aber auch schon mal, wenn sich die andere Person wiederholt enttäuschend verhält. Eine gesunde Abgrenzung ist also auch im sozialen Umfeld wichtig.

In schwierigen Lebenssituationen und persönlichen Krisen nehmen resiliente Menschen Hilfe an oder suchen aktiv danach. Scheitern Pläne, verlieren sie sich nicht in Frustration, sondern ändern sie oder schmieden gleich neue. Dabei akzeptieren sie, dass manche Dinge Zeit brauchen und Fehler zum Lernen dazugehören.

Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche - im Gegenteil.
Hilfe annehmen ist kein Zeichen von Schwäche - im Gegenteil.

Wer Hilfe annimmt oder sucht, stärkt seine Resilienz.

Ein Resilienz-Experte als Gast bei der SIEDA-Anwenderkonferenz: Markus Czerner

Markus Czerner auf der 17. SIEDA Anwenderkonferenz in Kaiserslautern.
Markus Czerner auf der 17. SIEDA Anwenderkonferenz in Kaiserslautern.

Markus Czerner referierte auf der 17. SIEDA Anwenderkonferenz über Resilienz.

Auf der diesjährigen SIEDA Anwenderkonferenz in Kaiserslautern referierte der bekannte Keynote Speaker Markus Czerner über Resilienz. Er zeigte auf, dass die Veränderung hin zu mehr innerer Widerstandskraft im Kopf beginnt, wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein ist und wie man seine eigene mentale Stabilität stärken kann.

Opener seines Vortrags Resilienz im Personalalltag – Veränderungen gelassen und erfolgreich meistern war die Geschichte des Gewichthebers Matthias Steiner. Dessen Karriere schien nach Formkrisen, Querelen mit dem österreichischen Gewichtheberverband und dem Tod seiner Frau bereits beendet zu sein, als er 2008 völlig überraschend und mit einem Weltrekord in Peking Olympiasieger wurde.

Befragt, was ihn zu dieser einmaligen Leistung befähigt habe, gab Steiner an, seiner Frau kurz vor ihrem Unfalltod versprochen zu haben, Olympiagold zu holen. Dieses Versprechen habe seine Resilienz gestärkt und ihm die erforderliche mentale Stärke verliehen, trotz seines seelischen Tiefs zu trainieren, in Peking anzutreten und den Titel zu holen. (Dass hierfür eine Weltrekordleistung vonnöten war, lässt seine Leistung nur noch unglaublicher erscheinen.)

Matthias Steiners individuelle Motivation und seine Ausnahmeleistung mögen auf den ersten Blick mit dem (Arbeits-)Alltag anderer Menschen nichts gemeinsam haben. Das Fokussieren auf die eigenen Stärken, die Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit, das Lösen von Problemen und das Erreichen eines definierten Ziels sind jedoch Eckpunkte der Resilienz, die jeder Mensch individuell erhöhen kann.

Im Blog: Worauf basiert unsere Resilienz?

Bevor wir uns mit der Frage beschäftigen, inwiefern wir unsere innere Widerstandsfähigkeit steigern können, müssen wir wissen, wo wir ansetzen können. Was bremst uns aus, was schwächt uns, was lässt uns über uns selbst hinauswachsen? Welche Faktoren sind beeinflussbar, um unsere mentale Stärke auszubauen, an uns selbst zu glauben und Fehler nicht mehr als Scheitern oder Katastrophe anzusehen? Und: Kann man auch anderen Menschen dabei helfen, ihre Resilienz zu stärken?

Demnächst im SIEDA Blog: Worauf basiert unsere Resilienz?

Demnächst im SIEDA Blog: Worauf basiert unsere Resilienz?
Demnächst im SIEDA Blog: Worauf basiert unsere Resilienz?

Unser Folgeartikel Worauf basiert unsere Resilienz? wird aufzeigen, an welchen Stellrädchen wir alle drehen können, um Krisen und Stress – auf die wir kaum oder keinen Einfluss haben – anders zu begegnen als bisher: Ruhiger, besonnener, gelassener. Und dadurch effektiver. Das dicke Fell, Sie wissen schon. Denn eines ist klar: Panik hilft bei der Lösung von Problemen ebenso wenig wie Resignation.

Der Blog-Beitrag Worauf basiert unsere Resilienz? erscheint in Kürze. Seien Sie gespannt darauf, wie es weitergeht.


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2Kommentare

  • Claudia Patschkowsky
    02.12.2025 11:20 Uhr

    Das Thema ist gut umschrieben. Aber mir fehlen dabei praktische Ansätze. Was mache ich wenn Kolleginnen wegen Überlastung krank ausfallen? Arbeit und Verantwortung bleiben dann an uns hängen. Und der einzige der gelassen bleibt ist der Vorgesetzte. Kunststück.

  • 02.12.2025 14:42 Uhr

    Liebe Frau Patschkowsky,
    mir ist bewusst, dass Überlastung – gerade bei personellen Ausfällen - in vielen Branchen ein Dauerproblem darstellt. Daher ist das Thema Resilienz topaktuell und wichtig. Die von Ihnen gewünschten, praktischen Tipps folgen in einem der Folgeartikel, bitte haben Sie noch etwas Geduld. Zunächst aber möchte ich den Begriff erläutern und hinterfragen, worauf Resilienz basiert. In den später folgenden Tipps sind auch Handlungsvorschläge für Vorgesetzte eingeplant – vorneweg der, ihrer Vorbildfunktion und Verantwortung gerecht zu werden. Bleiben Sie also gespannt auf die Mini-Blog-Reihe zur Resilienz. Alles Gute für Sie.

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