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Teilzeitarbeit

Inhalt

Mit dem Begriff Teilzeitarbeit umschreibt man verschiedene Arbeitszeitmodelle, welche eine im Vergleich zur Vollzeitarbeit verkürzte Arbeitszeit beinhalten. Hierbei unterscheidet man je nach zeitlichem Umfang der Arbeit zwischen vollzeitnaher (ab 30 Wochenarbeitsstunden) und vollzeitferner Teilzeit (z.B. Halbtagsarbeit).

Teilzeitarbeit ist in befristeten wie auch unbefristeten Zeiträumen möglich. Eine befristete Teilzeitarbeit liegt beispielsweise bei der Elternteilzeit vor, bei welcher Arbeitnehmer ihre Kinder in deren ersten Lebensjahren verstärkt betreuen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder in ihre Vollzeittätigkeit zurückkehren möchten.

Zu den gängigen Teilzeitmodellen zählen neben der erwähnten Halbtagsarbeit an allen Werktagen beispielsweise 3- oder 4-Arbeitstage-Wochen in Vollzeit, die Reduzierung der Schichten pro Woche oder flexible Tagesarbeitszeiten. Auch Arbeit auf Abruf ist bei den in manchen Branchen aufkommenden Schwankungen beim täglichen Arbeitsaufkommen verbreitet.

Entwicklung der Teilzeitarbeit

Der Anteil der Teilzeit- gegenüber der Vollzeitarbeit hat sich in den vergangenen 20 Jahren in den Industriestaaten stark erhöht und lag im Jahr 2017 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 27% der Arbeitnehmer. In der Schweiz, in Österreich und den Niederlanden ist diese Quote sogar noch höher. Frauen nutzen die Möglichkeit zur Teilzeitarbeit in ganz Europa noch immer weitaus häufiger als Männer. Während zum Beispiel derzeit etwa 9% der männlichen Beschäftigten in Deutschland eine Teilzeittätigkeit ausüben, tut dies fast jede zweite Frau.

Vor- und Nachteile

Gründe für die Entscheidung, in Teilzeit zu arbeiten, liegen gerade bei Frauen nach wie vor oftmals im Führen des Haushalts und in der Betreuung von Kindern oder Angehörigen, vermehrt aber auch in einem gestiegenen Bewusstsein für die Work-Life-Balance. Für Sport, Hobbies, die Pflege sozialer Kontakte oder ein Fernstudium verzichten immer mehr Beschäftigte gerne auf einen Teil ihres Gehalts - und bisweilen auch auf Karrierechancen.
Ebenso wie für die Arbeitnehmer selbst, welche zwischen Gehalts-/Lohneinbußen und einem Plus an freier Zeitgestaltung abwägen, bietet Teilzeitarbeit auch für deren Arbeitgeber Vor- und Nachteile. Letztere liegen beispielsweise in den im Verhältnis höheren Lohnnebenkosten begründet. Außerdem bedeutet eine hohe Zahl an Teilzeitbeschäftigten in der Regel auch einen erhöhten Organisationsaufwand.
Auf der Habenseite stehen eine flexiblere Arbeitszeitplanung durch den Einsatz mehrerer Teilzeitkräfte je Arbeitsplatz und das Ausgleichen von Auftragsschwankungen durch die Einteilung einer höheren bzw. geringeren Zahl von Teilzeitbeschäftigten. Ebenso ist eine oftmals größere Motiviertheit der Mitarbeiter durch die Ausgeglichenheit zwischen Beruf und Familie zu nennen. Und gesundheitlich beeinträchtigte Arbeitnehmer können weiterhin ihre gegenüber der Vollzeit- weniger belastende Teilzeittätigkeit ausüben, welche ihnen überdies mehr Gelegenheit zur Regeneration lässt.

Gesetzliche Regelungen

Bei bestehenden Arbeitsverhältnissen regelt in Deutschland seit 2001 das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) unter § 8, dass Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf unbefristete Teilzeitarbeit haben, wenn deren Arbeitsverhältnis mehr als sechs Monate besteht und deren Arbeitgeber regelmäßig mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigt. Hierbei werden Personen in Berufsbildung nicht berücksichtigt. Teilzeitbeschäftigte haben grundsätzlich die gleichen arbeitsrechtlichen Ansprüche wie Vollzeitbeschäftigte.
Ein Anspruch auf befristete Elternteilzeit wird gesondert im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) geregelt. Schwerbehinderte Menschen haben einen Anspruch auf Teilzeitbeschäftigung, wenn die kürzere Arbeitszeit wegen Art oder Schwere der Behinderung notwendig ist.

Brückenteilzeit

Seit Januar 2019 ist in Betrieben mit mehr als 45 Arbeitnehmern auch eine Brückenteilzeit rechtlich verankert. Gemeint ist ein zeitlich auf 1-5 Jahre begrenzter Wechsel von einer seit mindestens 6 Monaten bestehenden Vollzeit- in eine Teilzeittätigkeit. Nach Ablauf dieser Zeitspanne wechselt der Arbeitnehmer wieder zurück zu seinem vormaligen Arbeitszeitmodell. Eine Begründung für den gewünschten Wechsel ist übrigens nicht nötig (mehr Informationen hierzu finden Sie in unserem Blogbeitrag zur Brückenteilzeit).
Doch nicht nur bei der Brückenteilzeit existiert ein Rückkehrrecht von der Teilzeit- in eine Vollzeittätigkeit. Auch im Fall der Besetzung neuer oder freier Stellen sind teilzeitbeschäftigte Mitarbeiter vorrangig zu berücksichtigen, welche in der Vergangenheit den Wunsch nach Arbeitszeitverlängerung äußerten.

Altersteilzeit

Die Altersteilzeit schließlich wird in der Bundesrepublik Deutschland durch das Altersteilzeitgesetz (AltTZG) geregelt, das 1996 an die Stelle der damaligen Vorruhestandsregelung trat. Mit den gesetzlichen Regelungen zur Altersteilzeit strebt der Gesetzgeber an, älteren Mitarbeitern einen angenehmen und frühzeitigen Übergang in den Ruhestand zu ermöglichen und gleichzeitig in den Betrieben Anreize zu schaffen, die freiwerdenden Arbeitsplätze neu zu besetzen.
Sofern durch die Altersteilzeit älterer Arbeitnehmer neue Arbeitsplätze für jüngere Arbeitnehmer geschaffen werden, wird die Altersteilzeit von den jeweiligen Arbeitsmarktverwaltungen finanziell unterstützt. In Deutschland werden jedoch nur noch solche Arbeitnehmer gefördert, die ihr Arbeitsverhältnis spätestens am 31. Dezember 2009 angetreten und zu diesem Zeitpunkt das 55. Lebensjahr vollendet hatten. Die Förderung sieht eine Aufstockung des halbierten Bruttoarbeitsentgelts um 20% durch die Agentur für Arbeit vor.
Bei Eltern-, Brücken- und Altersteilzeit wird vor dem Wechsel in die Teilzeittätigkeit ein Arbeitszeitmodell festgelegt. Wird in Brücken- und Elternteilzeit meist eine Halbtagslösung oder eine 3-Tage-Woche vereinbart, findet bei der Altersteilzeit neben dieser täglichen Teilzeitlösung - dem sogenannten Gleichverteilungsmodell - immer öfter das sogenannte Blockmodell Verwendung. Bei diesem halten ältere Arbeitnehmer während einer Arbeitsphase bei halbiertem Bruttogehalt/-lohn zunächst weiterhin ihre ungekürzte Arbeitszeit ein, um in einer folgenden Freistellungsphase bei noch immer halbiertem, aber durchgängigem Lohn- oder Gehaltsbezug von der Arbeitsleistung gänzlich freigestellt zu werden. Über den Gesamtzeitraum von Arbeits- und Freistellungsphase ergibt sich de facto eine Teilzeittätigkeit.

Teilzeitarbeit in der Praxis

Die Teilzeitarbeit hat in den vergangenen 20 Jahren durch wirtschaftliche Veränderungen, Schwankungen auf dem Arbeitsmarkt, den demographischen Wandel, arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse und ein gesteigertes Bedürfnis nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance bei Arbeitnehmern wie Arbeitgebern zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Zur Regulierung dieser Faktoren wurden Gesetze geändert oder neu beschlossen und viele neue Arbeitszeitmodelle ersonnen. So testen Unternehmen (zum Beispiel in Schweden, Australien und Deutschland) seit Jahren etliche Modellprojekte, in welchen die Wochenarbeitszeit der Mitarbeiter bei voller Lohn-/Gehaltszahlung generell auf Teilzeitniveau abgesenkt werden.
Den bereits erwähnten höheren Lohnnebenkosten und der möglicherweise notwendigen Einstellung weiterer Mitarbeiter stehen dabei nach bisherigen Erkenntnissen eine höhere Motivationsbereitschaft, eine gesteigerte Effizienz sowie ein verminderter Krankenstand und Präsentismus bei den Arbeitnehmern gegenüber.

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